PR-Beratung in der Krisensituation fängt nicht erst an, wenn Presse- und Medien über die Krise berichten, oder erste Posts in Social Media erscheinen. Betroffene verkennen das häufig und unterschätzen die Wirkung einer frühzeitigen Beratung.
Verleumdung und Rufmord gehören zu den ältesten und menschlichsten Formen der Intrige. Die Motive der Rufmörder sind vielseitig. Neben dem klassischen Motiv der Rache spielen meist viel konkretere Ziele eine Rolle: Ein Karriereschritt soll verhindert, die Verlängerung eines Vertragsverhältnisses gestoppt oder die berufliche Existenz des Betroffenen komplett zerstört werden.
Die Wege, die Rufmörderinnen und Rufmörder nutzen sind vielseitig. Am beliebtesten ist jedoch das anonyme Schreiben, die anonyme E-Mail bzw. die anonyme digitale Nachricht. In der Regel legen die Angreifer größten Wert darauf, ihre Identität zu verschleiern.
Wie lassen sich anonyme Rufmörder identifizieren?
Schon in der Analyse der anonymen Nachrichten – meist sind es mehrere – ist es wichtig, zu erkunden, wer hinter der Verleumdung stecken könnte. Neben einem grundsätzlichen Bauchgefühl der Betroffenen, sollte eine erste Bewertung der Gesamtsituation und der Stakeholder erfolgen: Sie kann helfen die Frage des „warum“ und des „warum jetzt“ zu beantworten und engt den Kreis der Verdächtigen ein.
Außerdem legt das Muster der Verleumdung – also die Inhalte und die Frage, wie und an wen die Schreiben versandt wurden – in der Regel weitere Informationen offen, die den potenziellen Täterkreis verringern. Eventuell lohnt es sich auch eine forensische Analyse in Bezug auf Schreibstil, Handschrift oder digitale Spuren vorzunehmen – je nachdem, was auf dem Spiel steht.
Und oft steht viel auf dem Spiel!
Je länger eine Verleumdung unwidersprochen bleibt, desto mehr Menschen greifen sie aus eigenen Motiven auf. Frühes Handeln entscheidet.
Thomas Müller, Experte für Krisenkommunikation
Welche Vorwürfe nutzen Verleumder?
Meist können die Angriffe einen beachtlichen Schaden für den integren Ruf verursachen. Die Vorwürfe sind in der Regel grundlegender Natur: Fehlverhalten gegenüber Mitarbeitenden, Einblicke in das Sexualleben des Betroffenen, Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung oder sexueller Übergriffe, Veruntreuung, Steuerhinterziehung, Vorteilsnahme, Bestechlichkeit oder anderer moralisch verwerflicher oder gar krimineller Handlungen.
Geschickt bedienen die Täter Klischees im Narrativ oder flechten bekannte und anerkannte Informationen ein, um glaubwürdig zu erscheinen.
Dies kann zu einer vorübergehenden Beurlaubung, internen Untersuchungen, externen Compliance-Prüfungen, Ermittlungen der Behörden, einem Shitstorm, Presseberichterstattungen und vielem mehr führen. Dadurch werden der eigene Ruf und die eigene Existenz grundlegend gefährdet. Frühzeitig zu reagieren, ist daher entscheidend im Kampf gegen den Rufmord.
Wie wehrt man sich gegen Verleumdungen?
Einerseits geht es darum, die Vorwürfe zu entkräften, andererseits aber auch, die Absender der Verleumdung zu identifizieren. Je länger eine Verleumdung vor sich hin wabert, desto größer ist die Gefahr, dass andere aufspringen und die Verleumdung aufgrund eigener Motive verstärken. Je mehr die Lügen genutzt werden, desto schwieriger wird es, die eigentlichen Absender der Verleumdung zu identifizieren.
Kristallisieren sich erste Verdächtige heraus, kann der Einsatz von Open Source Intelligence (OSINT), also die umfangreiche Analyse offen zugänglicher Daten, helfen, den Verdacht zu erhärten. Je nach Fall kann auch klassische Detektivarbeit zu weiteren Erkenntnissen führen.
Wie stellt man seinen Ruf wieder her?
Gelingt es, die Verleumder in einem ersten Schritt zu identifizieren, geht es im nächsten Schritt darum deren Motive zu erfassen und mit einer Gegendarstellung gegenüber der jeweiligen (Teil-)Öffentlichkeit offenzulegen. Die direkte oder indirekte Ansprache über das gemeinsame Netzwerk führt häufig dazu, dass die Verleumder ihre Rufmordkampagne einstellen – insbesondere, wenn sie befürchten müssen, zweifelsfrei identifiziert zu werden.
Grundsätzlich sollten Betroffene bei Verleumdungen mit Hilfe eines Fachanwalts Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten. Denn Verleumdung ist eine Straftat nach § 187 des Strafgesetzbuches (StGB).
Betroffene sollten diesen juristischen Schritt dann öffentlich machen, um die eigene Glaubwürdigkeit nach außen zu stärken. Alle Informationen, die zur Identifizierung der Täter führen, sollten stets zeitnah den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt werden.
Agieren Opfer von Verleumdungen frühzeitig und effizient, kann es ihnen folglich gelingen, trotz der Rufmordkampagne gestärkt aus der Krise herauszusteuern.
Welche Fehler begehen Betroffene bei der Krisenbewältigung?
Kundinnen und Kunden äußern im Rahmen der Beratung nicht selten Scheu und Zurückhaltung, die oben erläuterten Mittel zur Verteidigung des eigenen Rufs einzusetzen. Zwar handelt es sich dabei um legale Instrumente, aber aus ihrer Berufswelt erscheint es ihnen unlauter oder entspricht nicht ihrem Verständnis von Werten und Fairness.
Dies kann dazu führen, dass sie die Beratung erst annehmen, nachdem sie schmerzlich erleben mussten, welche unfaire Folgen die Verleumdung für sie haben kann.
Außerdem sind Opfer einer Rufmordkampagne häufig der Überzeugung, dass die dreisten Lügen über sie niemand glauben werde. Ihr Ruf sei doch integer und sie hätten sich nie etwas zu Schulden kommen lassen.
Nicht selten erhalten sie in ihrem beruflichen oder privaten Umfeld dann noch den gut gemeinten Rat, den Shitstorm einfach auszuhalten; oftmals von höher gestellten Persönlichkeiten, wie der eigenen Ministerin, dem verantwortlichen Oberbürgermeister, dem Aufsichtsrat.
Oft übersehen die Betroffenen, dass die Ratgeber nur indirekt betroffen sind und über eine eigene Agenda verfügen. Lügen hätten kurze Beine und da an den Vorwürfen nichts dran sei, würde das schnell abebben. Doch gerade in unserer vielschichtigen Gegenwart zeigt sich immer öfters, dass Lügen erstaunlich lange Beine haben.
Häufige Fragen zu Verleumdungskampagnen
Was sind die häufigsten Fehler im Umgang mit einer Verleumdung?
- Zu langsam zu reagieren, sodass sich die Lügen oft mit rasanter Geschwindigkeit verbreiten.
- Zu glauben, dass weil man sich nichts zuschulden kommen lassen hat, die Lügen nicht geglaubt werden.
- Dem Konflikt mit den Personen hinter der Verleumdung aus dem Weg zu gehen.
- Zu denken, dass Personen im eigenen beruflichen oder persönlichen Umfeld nicht verantwortlich sein könnten für eine Verleumdungskampagne.
Ist Verleumdung strafbar?
Ja, Verleumdung ist in Deutschland eine Straftat nach § 187 StGB. Strafbar macht sich, wer wider besseres Wissen eine unwahre Tatsache über eine andere Person behauptet oder verbreitet, die geeignet ist, diese verächtlich zu machen, in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder ihren Kredit zu gefährden.
Der Strafrahmen reicht bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Wird die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts begangen, erhöht sich der Rahmen auf bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.
Betroffene sollten mit Hilfe eines Fachanwalts Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten und alle Informationen, die zur Identifizierung der Täter beitragen, zeitnah den Ermittlungsbehörden übergeben.
Wie identifiziert man anonyme Verleumder?
Anonyme Verleumder lassen sich durch eine systematische Analyse der Nachrichten und des Umfelds identifizieren. Den Ausgangspunkt bildet die Auswertung der anonymen Schreiben selbst: Inhalt, Adressatenkreis und Versandmuster grenzen den Täterkreis ein und beantworten die Fragen nach dem „Warum“ und dem „Warum jetzt“.
Ergänzend liefert eine Stakeholder-Analyse des sozialen und beruflichen Umfelds Hinweise auf mögliche Motive. Bei hohem Schaden können Open Source Intelligence (OSINT) sowie forensische Untersuchungen von Schreibstil, Handschrift oder digitalen Spuren den Verdacht erhärten.
Was tun bei einer anonymen Verleumdung?
Bei einer anonymen Verleumdung ist schnelles und strukturiertes Handeln entscheidend. Zuerst gilt es, die Vorwürfe zu dokumentieren und das Muster der Angriffe zu analysieren, um den Absender einzugrenzen.
Parallel sollten Betroffene mit einem Fachanwalt Strafanzeige gegen Unbekannt nach § 187 StGB erstatten und diesen Schritt öffentlich machen, um die eigene Glaubwürdigkeit zu stärken.
Je früher gehandelt wird, desto geringer ist die Gefahr, dass sich die Verleumdung verbreitet und weitere Akteure sie aus eigenen Motiven verstärken.
Über den Autor
Thomas Müller ist Gründer der DIE PR-BERATER GmbH und berät seit fast 30 Jahren Ministerien, Verbände und Unternehmen in Krisenprävention, Krisen-PR und Skandalisierungs-PR.
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